IM FLUSS
Ein Pfingstmontag auf der Weser
Es gibt Ereignisse im Jahr, die sich nicht erklären müssen. Sie finden statt, weil sie stattfinden – weil sie geworden sind, was sie sind: Teil eines lebendigen Rhythmus.
So auch die Kanutour der Katholischen Hochschulgemeinde Göttingen am Pfingstmontag. Seit über einem Jahrzehnt ist sie fest verankert im Gemeindeleben – eine Mischung aus Naturerlebnis, Begegnung und stiller Feier des Miteinanders.
Der Tag beginnt früh, mit den Broten, die in der khg geschmiert werden. Dann treffen sie ein: Studierende, Bekannte und Neue, Studierende mit ihren Kindern, Menschen, die noch nicht wissen, dass am Abend mehr entstanden sein wird als Muskelkater – nämlich Freundschaft, Vertrautheit, Erinnerung.
Zuerst fahren wir Kolonne nach Bursfelde. Dort wird das Grillgut ausgeladen und sicher verstaut – aus reiner Vorsicht, aber auch mit einem leisen Augenzwinkern. Dann weiter nach Hann. Münden, wo die Kanus warten, ebenso wie die Einweisung: Hinweise zur Technik, zur Balance, zur Rettung im Fall einer Kenterung, der, wie das Vorjahr zeigt, kein bloß theoretisches Szenario ist. Auch diesmal stellt sich die Frage: Wer wird kentern?
Die Boote werden verteilt – nach Größe, nach Kraft, nach Stimmung. Wer lenken will, lenkt. Wer meditieren will, darf schweigen. Die Weser nimmt alle mit. Und sie schenkt einen Tag, der weder warm noch kalt, weder hell noch trüb ist – ein Tag im Zwischenraum, im Übergang vom Frühling zum Sommer. Das Wetter wie ein Spiegel dessen, was uns gerade bewegt: Übergänge, Prozesse, Ströme.
Naturbeobachtungen prägen die Fahrt: Schwäne mit Küken, Enten, Vogelrufe, Schafe am Ufer. „Im Fluss“, so das Semesterthema der khg, wird zu einer Erfahrung. In der Bewegung wächst Ruhe, aus dem Tun erwächst Gelassenheit. Wir sind unterwegs – mit dem Paddel, mit dem Blick, mit den Gedanken.
Pausen, Brote, Lachen, nasse Füße. Wer zuerst ankommt, wird gefeiert. Wer zuletzt landet, bringt Geduld mit. Dann: Bursfelde. Kaffee und Kuchen auf Decken im Gras, ein Innehalten vor der alten Klosterkirche. Um 18 Uhr: das Taizé-Gebet – einfach, getragen, still. Danach: Grillen, Austausch, Geschichten, Lichter, die schwinden.
Seit über zehn Jahren paddeln wir an Pfingsten auf der Weser. Und in gutem christlichem Sinn sind wir stolz auf dieses Ritual – ein Zeichen von Kontinuität und Gemeinschaft. Und im gleichen Sinn sehnen wir uns nach dem nächsten Mal. Denn die lineare Zeit vergeht, aber sie kehrt auch wieder. Ein wenig Ewigkeit liegt in diesem Tag: in einer Gemeinde, die sich jeden Pfingstmontag neuformiert, sich erneuert im Bekannten, wächst im Vertrauten – und doch immer wieder neu aufbricht.
(Beitrag von Ximena Ordóñez)



